Vögel als Wintergäste im Garten
Experteninterview: So helfen Sie heimischen und Zugvögeln durch die kalte Jahreszeit
VON JANINE SCHULZE
Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, verändert sich auch das Leben der Vögel in unserer Region. Mario Göwert vom NABU Oldenburg gibt im Interview spannende Einblicke in das Verhalten der gefiederten Wintergäste, erklärt die Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen, und zeigt, wie Gartenbesitzer aktiv zum Vogelschutz beitragen können.
Welche Vogelarten sind jetzt in unserer Region besonders häufig anzutreffen?
Im Herbst und Winter sind Blau- und Kohlmeisen besonders häufig an den Futterstellen anzutreffen, aber auch Finken und Sperlinge. Interessant ist, dass dann diese Kohl- und Blaumeisen gar nicht unsere Brutvögel, sondern meistens Wintergäste aus den baltischen Ländern sind. Unsere Meisen sind dann ebenfalls weiter südlich. An weiteren Singvögeln kommen bei entsprechender frostiger Wetterlage Wacholderdrossel, Rotdrossel, Erlen- und Birkenzeisig sowie der Bergfink aus dem Norden zu uns. Typische Wintergäste außerhalb der Gärten sind bestimmte Gänse- und Entenarten, die in großer Menge in der Hunteniederung rasten.
Wie verändert sich das Verhalten der Vögel in dieser Jahreszeit?
Sie sind mehr auf die Gemeinsamkeit in Schwärmen fixiert und nicht mehr als Brutpaare anzutreffen, die sich um die Jungen kümmern müssen. Das ist besonders dann auffällig, wenn Reviervögel aus dem eigenen Garten auf einmal nicht mehr da sind. Zu dem Thema ,,Warum sind die Vögel nicht mehr in meinem Garten?" bekommen wir sehr häufig Anfragen.
Was sind die größten Herausforderungen, denen Vögel im Winter gegenüberstehen?
Nahrungsmangel und Deckung in der Feldmark bzw. in der Freien Landschaft, da Wallhecken und Feldgehölze mit heimischen Pflanzen und somit deren Fruchtstände stark zurückgegangen sind.
Inwiefern beeinflussen Wetterbedingungen und Nahrungsmangel die Vogelpopulationen?
Schwalben z.B. brüten nicht bei längerer Schlechtwetterperiode, weil die Nahrung (Fluginsekten) dann fehlt. Körnerfresser finden in sehr trockenen Jahren weniger Nahrung.
Dadurch fehlen im darauffolgenden Jahr viele Individuen.
Schwankungen in der Population sind nicht unüblich und können in Bezug auf das Wetter wieder ausgeglichen werden. Problematisch ist der Mäusemangel in sehr nassen Jahren für Schleiereulen, Bussarde, Turmfalken, Weihen und Milane. In der Regel gibt es aber immer wieder sogenannte Mäusejahre, die durch Trockenheit gefördert werden, in denen die Greifvögel besonders viele Jungtiere großziehen können. Dies kann man besonders gut bei Schleiereulen beobachten.
Wie können Gartenbesitze Vögel in der kalten Jahreszeit unterstützen?
Den eigenen Garten möglichst naturnah gestalten. Am besten mit heimischen Pflanzen, die Fruchtstände und Sämereien
ausbilden.
Welche Futterarten sind besonders geeignet, um Vögel anzulocken und zu ernähren?
Dazu gehören Gehölze wie Schlehe, Weißdorn, Holunder, Kornelkirsche, Eberesche (Vogelbeere) und Hundsrosen. Auch heimische Sträucher wie Haselnuss, Liguster und Schneeball sind beliebt. Bei den Stauden kommen Flockenblume, Wegwarte, Distel wie die Wilde Karde, oder auch Natternkopf und die Schwarze Königskerzen Frage. Bei Dompfaffen und Stieglitzen ist Beifuß sehr beliebt. Beim NABU gibt es Samen für Regionale Wildblumen wiesen.
Wie wichtig sind Nistkästen und andere Schutzmöglichkeiten für Vögel im Winter?
Unterschlüpfe und Versteckmöglichkeiten wie Nistkästen, Mauernischen, Holzhaufen, geschützte Überstände und Hohlpfannen, aber auch dicht bewachsene Mauern mit Efeu bieten nicht nur Vögeln Schutz vor Kälte, Nässe und Fressfeinden. Es ist richtig, dass Nistkästen in der kalten Jahreszeit und bei nasser oder stürmischer Witterung von Vögeln als Schlafplatz genutzt werden. Bei mir zu Hause hatte sich mal eine Blaumeise über den Winter in meinem Rollladenkasten „ein genistet“.
Welche Möglichkeiten gibt es, sich aktiv am Vogel schutz zu beteiligen?
Auf politischer Ebene können Politiker mehr Vogelschutz verlangen. Sich ehrenamtlich in ornithologische Arbeitsgruppen einbringen (in Oldenburg beim NABU gibt es die Fachgruppe OAO–Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Oldenburg). Natur nahe Gärten anlegen und Biolebensmittelkaufen. Und in jedem Fall Multiplikator in dieser Sache werde!